McLuhan ANG - Blätterfolge 1

ANG\ALLEG_01.WP ** 23.6.1993

Hermann HAKEN. Erfolgsgeheimnisse der Natur. Synergetik: Die Lehre vom Zusammenwirken. Frankfurt/M; Berlin; Wien: Ullstein 1984.

Wir stellen die Atome durch Männchen dar, die an einem mit Wasser gefüllten Kanal stehen. Das Wasser soll dabei das Lichtfeld SYMBOLISIEREN. Ist die Wasseroberfläche in Ruhe, so ENTSPRICHT dies dem Fall, daß kein Lichtfeld vorhanden ist, also der Dunkelheit. Stoßen nun die Männchen mit Stücken in das Wasser, so wird die Wasseroberfläche zu Wellenbewegungen angeregt. Dies ENTSPRICHT der Erzeugung des Lichtfelds durch die Atome. WIE bei einer Lampe entsteht eine völlig unregelmäßige Bewegung. Den Verhältnissen im Laser hingegen würde es ENTSPRECHEN, daß die Männchen ihre Stöcke völlig gleichmäßig, WIE /65/ auf ein Kommando hin, in das Wasser stoßen, so daß eine gleichmäßig bewegte Wasseroberfläche entsteht. IM MENSCHLICHEN BEREICH ist es klar, wie es zu dieser gleichmäßigen Tätigkeit der Männchen kommt. Hinter ihnen steht ein Boß oder ein Kapo, der immer ruft "jetzt, jetzt, jetzt", so daß das Hineinstoßen der Stöcke genau geregelt wird. BEI den Laseratomen aber ist nimand da, der den Atomen den ENTSPRECHENDEN Befehl erteilt. Die Atome organisieren also ihr Verhalten selbst. Der Laser IST SOMIT EIN BEISPIEL FÜR das Zustandekommen eines geordneten Zustands durch Selbstofganisation, bei dem ungeordnete Bewegungn in geordnete Bewegung überführt wird. Dies macht den Laser zu einem PARADEBEISPIEL für die Synergetik.

Er kann ALS ALLEGORIE FÜR viele Prozess IN GANZ ANDEREN GEBIETEN, insbesondere auch IN der Soziologie, dienen.

Bevor wir darauf eingehen, müssen wir die Grundidee der Synergetik doch noch weiter vertiefen, nicht zuletzt, weil es sonst scheinen könnte, als ob wir in OBERFLÄCHLICHER Weise Erkenntnisse der Physik DIREKT ohne weiter Reflexion auf so komplizierte Erscheinungen WIE ETWA das menschliche Zusammenleben ÜBERTRAGEN. Immerhin können wir aber im Laser in einfacher Weise einige Grundzüge erkennen, die uns einen SCHRITT NÄHER zum Verständnis von Vorgängen in der lebenden Natur bringen." (64/65)

s DEV\DEV09.WP. Die Übertragung von außen so, daß sie von innen kommt. Synergie, Selbstkonzentration, Selbstzwang: die allegorische Übertragung des synergetischen Paradigmas vollzieht sich in äußerster Brutalität, aber von selbst, unter größtem Zwang ganz zwanglos, zwingt sich von selbst auf. Für die Christen waren die Juden Schriftzeugen, scrinarii (Phoko Antijudaismus, Hamburger Verlag) der alten Schriften, die sie hüteten als ihre eigenstes, die ihnen aber zugleich so fremd waren, daß sie sie nicht verstehen konnten. Sie hüteten sie, damit die Christen den Schrein aufbrechen und die unversehrten, unverfälschten uralten Schriften dem wahren Verständnis öffnen konnten. Die alten Schriften brechen unter der christlichen Berührung aus dem jüdischen Körper aus, in dem sie Jahrhundertelang sich eingenistet hatten, um auf ihre Zeit zu warten. Hier ist also die Schrift der Parasit.

EBENSO hütet die moderne Gesellschaft schon immer "Synergie", "die Lehre vom Zusammenwirken", ist immer schon davon infiziert. Man muß nur den Ausnahmezustand herstellen, auf sie im Takt eindreschen, und "Synergie" bricht aus ihr hervor.

Von außen also und zugleich von innen: am, IM Rand, überall.

———————————————

McL nach Auerbach-Lektüre Figura (1938 !) wie sonst auch: die PATENT-DEUTUNG, das raffende, die MONOMANE Struktur, der Durst nach MAGISCHEM SYMBOLISMUS um jeden Preis als Seins-Versicherung.